Weihnachten auf den Philippinen ist freudig und laut


Die Wetzlarer Familie Pagels erlebt in diesem Jahr zum zweiten Mal das Weihnachtsfest fern der Heimat auf den Philippinen. „Bei uns ist gerade Regenzeit. Da kann es mal abkühlen auf 20 Grad. Aber an guten Tag steigt das Thermometer auf bis zu 30 Grad“, schildert Holger Pagels die Erfahrungen vom Christfest 2008. Im vorigen Jahr hat er seine Wohnung in Dalheim aufgelöst und ist mit seiner Frau Genia sowie den drei Kindern Nicole (10), Deborah (5) und Hannah (2) auf die Insel Mindanao gezogen. Im Auftrag der beiden Vereine „Hoffnung + Leben e.V.“ (Hamburg) und „we-SHARE“ (Idar-Oberstein) leitet der 41-Jährige christliche Hilfsprojekte in dem südasiatischen Land.Seit 1994 unterhält „Hope & Life Ministries“ in verschiedenen Orten Speisungsprogramme, an denen wöchentlich mehr als siebenhundert Kinder teilnehmen. Zu Hope + Life Ministries gehören zudem seit 1997 fünf freie evangelische Gemeinden, die von Filipinos gegründet wurden. Drei der Gemeinden befinden sich auf dem Festland von Mindanao und zwei auf Siargao Island.

Die Philippinen gelten als einziges christliches Land Asiens. Das rührt aus der Kolonialherrschaft der Spanier und der Katholisierung der einheimischen Bevölkerung, weiß Pagels. Deshalb ist Weihnachten auch in seiner neuen Heimat ein öffentliches Fest. Wie auch in anderen Teilen der Welt wird es auf den Philippen vielfach als Konsumfest begangen. Schon Mitte September werden in den Einkaufszentren Manilas Plastikweihnachtsbäume und Weihnachtsdekorationen angeboten. Lieder wie „Jingle Bells“ erklingen ebenfalls schon früh aus den Lautsprechern von Geschäeften und Schnellrestaurants.

Ab Mitte November beginnt die Zeit des „Carolings“. Gruppen und Organisationen, die Geld für Anschaffungen benötigen, üben Weihnachtslieder ein und ziehen von Haus zu Haus. Sie erwarten dafür eine Spende. Meist bekommt man dann ein Informationsschreiben übereicht, in dem der Spendenzweck erläutert wird. Anders sieht es aus bei den ärmeren Familien, die von den Bergen in die Stadt kommen, um Geld zu erbetteln. Sie schicken ihre Kinder in Gruppen los, mit wenigen einstudierten Liedern stehen sie vor der Haustür. Doch schon am nächsten Tag kommen sie wieder mit den selben Liedern und erwarten erneut eine Spende. Das wiederholt sich dann bis Anfang Januar immer wieder.

Ab Ende November beginnen die Weihnachtsfeiern der verschiedenen Gruppen und Organisationen. Mit jeder Einladung ist auch schon der Hinweis auf ein Weihnachtsgeschenk verbunden. „Man erwartet, dass jeder Teilnehmer der Weihnachtsfeier ein Geschenk in einem bestimmten Wert mitbringt“, weiß der Diplomtheologe Pagels, der bereits 1993 erstmals zu einem halbjährigen Einsatz auf den Philippinnen war. Nach seinem Theologiestudium entsandte ihn die Organisation „Jugend mit einer Mission“ (JMEM, Hurlach) in die Stadt Surigao im Norden der Insel Mindanao. Während dieser Zeit lernte er die philippinische Lehrerin Genia kennen und die beiden heirateten 1998. Ein Jahr später kehrte Pagels zunächst nach Deutschland zurück.

„Kommt man zu einer Weihnachtsfeier, gibt man sein Geschenk ab und man zieht eine Nummer. Während des Programms, zu dem viele gemeinsame lustige Spiele und kleine Vorführungen gehören, sowie ein oder zwei Reden, werden die Geschenke verteilt. Dazu werden die Nummern aufgerufen und man erhält dann sein Geschenk“, so der Wetzlarer. Sind auch Kinder bei der Feier, gibt es für die Mädchen und Jungen eine eigene Ziehung. Während der Feier wird auch festlich gegessen. Meistens gehört dazu „Lechon“, ein philippinisches Spanferkel auf Feuer mit Kokusnussschalen gegrillt. Hinzu kommen „Sinugba“, gegrillter Fisch und „Kinilaw“, roher marinierter frischer Fisch. Desweiteren mögen die Asiaten dazu „Pancit Kanton“, also Glasnudeln, mit Gemüse und Fleischstückchen. Ausserdem werden noch verschiedene Gerichte mit Gemüse und Hühnchen angeboten. Zum Nachtisch gibt es meist philippinischen Obstssalat oder süßen Nudelsalat. Das Weihnachtsfest auf den Philippinen ist eine laute Veranstaltung. Da jede Gruppe, die etwas auf sich hält, Weihnachtsfeiern organisiert, finden die letzten Feiern Anfang Januar statt.

Spätestens ab Mitte November beginnt die Weihnachtsdekoration an den Häusern und Geschäften. Bunte Lichterketten werden aufgehängt und Weihnachtslieder erklingen sehr laut aus zahlreichen Lautsprechern. In Surigao sponsoren die verschieden Unternehmen jeweils die Dekoration für einen Baum im „Lunetapark“, dem Stadtpark.

Die eigentlichen Weihnachtstage werden im Kreis der Grossfamilie gefeiert. Die katholischen Christen besuchen am 24. Dezember abends die Messe. In der Familie legen alle Geld zusammen, um ein richtiges Festessen einzukaufen. Dieses wird dann um Mitternacht vom 24. auf den 25. Dezember verspeist. Anschliessend gibt es Bescherung, oft nur kleine, aber praktische Geschenke wie eine Taschenlampe, und viele Spiele. Meist graut schon der Morgen so gegen 5 Uhr wenn die Feiernden zu Bett geht. Bei einer Weihanchtsfeier mit den einheimischen Mitarbeitern auf den Philippinen erlebten die Pagels, dass es dort sehr froehlich zugeht.Bei einem Wettbewerb wurde prämiert, wer den schönsten lebenden Weihanchtsbaum darstellen kann.

Als Europäer, der das deutsche Weihnachtsfest mit seiner besinnlichen Adventszeit kennt, fehlt Holger Pagels manchmal gerade diese Besinnlichkeit. Bei über 20 Grad Celsius gibt es die Sitte nicht, sich um einen Adventskranz zu versammeln, Plätzchen oder Christstollen zu verspeisen und auf Geschichten oder biblische Texte zu hören. Im vergangenen Jahr hatten die Pagels kurz vor ihrer Abreise noch einige Christstollen in Deutschland eingepackt und auch einen „ewigen“ Adventskranz dazu. Der Kranz ist auch in diesem Jahr wieder zum Einsatz gekommen. Dieser Brauch ist den Filipinos völlig fremd. Für die Pagels ist klar, dass sie ein wenig von dem deutschen Weihnachtsfest auch in diesem Jahr begehen wollen. „Wir werden versuchen uns zusammenzusetzen als Familie und gemeinsam über Weihanchten nachdenken und auszutauschen“, meint Pagels. Denn Weihnachten ist ja das Fest der Geburt von Jesus Christus. „In Jesus bietet uns Gott einen Austausch an, das alte Leben einzutauschen gegen ein Neues, ewiges Leben, wieder neu in der Gemeinschaft mit Ihm zu leben, Bedingung dieses Tausches ist aber, das Jesus Leiter dieses neuen Lebens wird“, fasst der Theologe seinen Glauben zusammen. Weihanchten ohne Ostern und Pfingsten zu denken sei wie ein Auto ohne Motor und Innenausstattung. Deswegen sei das eigentliche Geschenk zu Weihnachten auch Jesus selber. „Die Frage, die ich mir bei Weihanchtsfeiern stelle, haben wir denn das Geschenk, das Gott uns an diesem Tag gibt, wirklich angenommen, ausgepackt und entdeckt was es fuer uns bedeutet?“

Der 25. Dezember ist landesweit Feiertag und fast alle Geschäfte haben geschlossen. „Die Familie unternimmt an dem Tag etwas gemeinsam, So waren wir, wie viele andere Familien auch, im letzten Jahr am Strand und haben die Reste des Festessens dort vertilgt“. Aus Freude am Weihnachtsfest kann es auch schon mal passieren, dass eingie Böller gezündet werden.




22.12.2009