Vier Kinder aus einem Hühnerverschlag erhalten erstmals Geschenke zum Christfest


Die Waldirmeser Familie Pehlke feiert das Weihnachtsfest fern der Heimat in Kambodscha. Im Auftrag des Vereins Chibodia (Freunde für Kinder in Kambodscha) leben und arbeiten die Pehlkes in dem ostasiatischen Land. Samuel Pehlke und seine Frau Anne sowie die im April geborene Eleah wohnen in der Hauptstadt Phnom Penh. Dort leiten sie ein Kinderheim und koordinieren weitere Projekte des Vereins, der seinen Sitz in Pohlheim-Holzheim hat.

In diesem Jahr wird das Weihnachtsfest der Pehlkes zusammen mit den 19 kleinen Bewohnern des Kinderheimes erst am 26. Dezember gefeiert. Sie erwarten nämlich Besuch aus Deutschland. Michael und Sabine Sohlbach vom Chibodia-Vorstand werden am 25. Dezember nach Phnom Penh fliegen, um die 12 Mädchen und 7 Jungen im Aler von 3 bis 16 Jahren zu überraschen. Doch schon jetzt ist die Vorfreude groß. Alle Kinder haben nämlich ihre Wünsche gemalt oder aufgeschrieben. Ein Freund des Kinderheimes wird im Weihnachtsmannkostüm am 25. Dezember mit den Kindern in einen lokalen Markt gehen und mit ihnen zusammen Kleidung einkaufen.

Am folgenden Tag werden die Besucher aus Deutschland für ein schönes Fest sorgen. Die Solbachs waren schon im vergangenen Jahr in Kambodscha, um die Weihnachtstage für die Kinder mitzugestalten. Wochen zuvor hatte Sabine Solbach begonnen Weihnachtsplätzchen zu backen und Geschenke für die kleinen Heimbewohner einzukaufen und zu verpacken. Einen Weihnachtsbaum konnte das Ehepaar allerdings im Flugzeug nicht mitnehmen. Den haben sie in Phnom Penh erstanden.

In dem südostasiatischen Königreich ist das christliche Weihnachtsfest nahezu unbekannt. Es wird in den meist buddhistischen Familien nicht gefeiert. Auch den Brauch sich an Heilig Abend zu beschenken, ist den Menschen fremd. Dennoch gibt es tatsächlich Geschäfte in der Hauptstadt, die auch die Wünsche christlicher Touristen befriedigen. Dort kann man auch die vor allem amerikanische Weihnachtsmusik beim Einkauf hören. Einen frischen Tannenbaum fanden die Solbachs nicht. So mussten sie mit einem künstlichen Exemplar Vorlieb nehmen. „Na ja, in Deutschland sind die Weihnachtsbäume einfach geschmackvoller“, meint Sabine Solbach. Als die Kinder im vergangenen Jahr am 24. Dezember aus der Schule kamen, fanden sie den geschmückten Baum und die Geschenke darunter vor. Das war eine Überraschung! Nicht nur die Kinder waren aufgeregt, auch die Erwachsenen waren gespannt, wie die Bewohner des kleinen Kinderheimes reagieren. „Wir haben ihnen die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium vorgelesen und eine einheimische Mitarbeiterin hat den Text für die Mädchen und Jungen übersetzt“, erinnert sich Samuel Pehlke. „Die Kinder hörten gespannt zu und ich war von den leuchtenden Augen der Kinder ganz beeindruckt“, freut sich Sabine Solbach über die damals gelungene Überraschung. Danach kam die Bescherung. Das war ein ganz besonderes Erlebnis für die Kinder, denn Geschenke zu erhalten ist für sie nicht selbstverständlich. Die Freude war rießengroß.

Anschließend gab es ein leckeres Weihnachtsabendessen. Sabine Solbach hatte dazu Hot Dogs mit den Mitarbeitern vorbereitet. Für die südostasiatischen Gaumen allerdings ein eher ungewöhnlicher Geschmack. Nicht jeder möchte die Zusammenstellung aus Würstchen und Brötchen. Auf jeden Fall war es wohl die erste Christmas Party Phnom Penhs für einheimische Kinder. Weihnachten in Kambodscha, das bedeutet nicht Frieren und Schnee sondern angenehme Temperaturen so um die 30 Grad.

Bereits im Sommer hat der Verein Chibodia unter den etwa 100 Mitgliedern aufgerufen, Barbie-Puppen zu spenden. Über 30 dieser Puppen, dazu Kleider und anderes Zubehör sind zusammen gekommen. Auch in diesem Jahr hat Sabine Solbach wieder kräftig Plätzchen gebacken. Außerdem hat sie Kinderkleidung gesammelt und ein Waffeleisen gekauft, um den Kindern eine europäische Gaumenfreude zu bereiten.


„Vor allem für die vier neuen Kinder wird das erste Weihnachtsfest ein besonderes Erlebnis sein“, meint Samuel Pehlke. Noch vor sechs Wochen lebten sie in einem Hühnerstall-Verschlag. „Sie waren krank, unterernährt und konnten nicht zur Schule gehen“, beschreibt der gelernte Krankenpfleger ihren Zustand. „Sie haben vorher noch nie einen weißen Europäer live gesehen. Nun erleben sie im Kinderheim gleich mehrere Deutsche und auch das christliche Weihnachtsfest. Das konnten sie sich vor zwei Monaten noch nicht einmal erträumen“.

Chibodia kümmert sich nicht nur um die Mädchen und Jungen im Heim. Der Verein unterhält auch eine Landschule rund 50 Kilometer außerhalb der Hauptstadt. Zudem unterstützt er zwei weitere Schulen und soziale Zentren, das Azizas Schoolhouse und die Lakeside School, beide in Slums von Phnom Penh gelegen. Auch ein Studentenwohnheim wird von Chibodia getragen sowie einige Stipendien, damit arme Jugendliche die Chance erhalten, zu studieren. Ferner unterhält Chibodia das Projekt Motomedix mit einer Gesundheitsklinik an der größten Müllkippe der Hauptstadt und zwei Nebenstellen in zwei verschiedenen Slums. Einige der Mädchen und Jungen im Kinderheim haben früher auf der stinkenden und krankmachenden Müllkippe gelebt.

Der Besuch der Solbachs hat auch offiziellen Charakter. Im Auftrag des Vorstandes werden sie die Projekte von Chibodia besuchen und das neue Haus für das Kinderheim besuchen. Der Verein muss das bisherige Heim aufgeben, das es in der Regenzeit desöfteren überschwemmt wird und vom Platzangebot her nicht mehr ausreicht.

Bei allem persönlichen Engagement der Vereinsmitglieder braucht Chibodia aber auch Freunde, die den Einsatz in Kambodscha finanziell mittragen. Die Unterhaltung des Kinderheims und der Landschule in Kampong Speu sowie das Motomedix-Gesundheitszentrums an der Müllkippe Phnom Penhs sind nur möglich, wenn sich Spender in Deutschland dafür stark machen.



Kontakt: Chibodia, Zum Hasenberg 26, 35415 Pohlheim. Tel. 06004-411503, info@chibodia.org
Internet http://www.chibodia.org

21.12.2009