Mitarbeiter auf vier Pfoten finden Zugang zu Senioren


„Hallo Felix!“ Freudig begrüßen einige Bewohner den schokoladenbraunen Labrador bereits am Eingang des Solmser Heimes. Auch sein Frauchen Waltraud Vielemeier aus Nauborn wird von der Heimleiterin Annette Lindenberg, von Pflegekräften und Bewohnern willkommen geheißen. Sofort erhält Felix die ersten Streicheleinheiten. Der fünfeinhalbjährige Labrador ist im Solmser Heim beliebter Mitarbeiter auf vier Pfoten. Seit etwa einem Jahr kommt der Rüde zum Hundesbesuchdienst in die Einrichtung der Königsberger Diakonie. Bevor er auf einem Rundgang durch die Stationen startet, gehört sein erster Gang dem Bewohner Georg Barth. Der Renter hat eine besondere Liebe zu Tieren.

In seiner Heimat in Ostdeutschland besaß er viele Haustiere, darunter auch einen Hund. Barth freut sich unbändig in seinem Rollstuhl als Felix sein Zimmer im Untergeschoss betritt. Der Vierbeiner bekommt Streicheleinheiten und es macht Barth auch Freude, ihn mit „Leckerlies“ zu belohnen. Seit etwa vier Jahren gibt es im Solmser Heim den Besuch auf vier Pfoten, berichtete Annette Lindenberg. Ein Hundebesuch habe viele positive Effekte. Nachweislich sinken beim Streicheln eines vertrauten Tieres der Blutdruck und der Kreislauf wird stabilisiert. Der Besuch der Vierbeiner bringt außerdem Abwechslung und Freude in den Heimalltag. Die Regelmäßigkeit ist ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs: Die Besuche finden alle zwei Wochen jeweils am gleichen Tag statt. Auch Angehörige können ihre Hunde mit ins Heim bringen, weil die Leiterin bereits viele positive Erfahrungen damit gesammelt hat. Mancher, der mit seiner neuen Situation als Heimbewohner nicht zurecht komme und sich emotional einigele, werde durch solch einen Hundebesuch zugänglich. Es sei schon vorgekommen, dass Bewohner gegenüber dem Pflegepersonal nicht gesprochen hätten. Erst der Hund habe ihnen erste Worte entlockt und so eine Kommunikation möglich gemacht. Der Hund werde so zum Vermittler zwischen den zu Pflegenden und den Pflegekräften, schildert Lindenberg den positiven Einfluss der Vierbeiner. Lange wurde der therapeutische Aspekt der Tierbesuche von der Schulmedizin nicht anerkannt. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass Tiere als Therapeuten oder Co-Therapeuten wirken können. Der Umgang mit Tieren soll zu einer Steigerung der Lebensfreude, Stabilisierung des Immunsystems, Besserung der Stressbewältigung und Linderung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen führen.

Solche Erfahrungen kann auch Eva Steinmetz, Heimleiterin für Haus Königsberg und Haus Berlin in Wetzlar, bestätigen. Viele Bewohner hatten früher selbst einen Hund. "Sie freuen sich, wenn der Hund sitzen bleibt und sich streicheln lässt." Das Tier löst emotionale Empfindungen aus, die durch noch so gute Betreuung nicht entstehen können. Deshalb gehört Bärbel Diehl aus Burbach mit ihrem gutmütigen Berner Sennhund „Nele“ zu den regelmäßigen Besuchern in den beiden Wetzlarer Häusern. Bereits im Foyer von Haus Königsberg begrüßt Kurt Hermann die vertraute Nele, die dieses Mal von der einjährigen Banja, ebenfalls ein Berner Sennhund, unterstützt wird. Frauchen Bärbel Diehl ist selbst in ihrer Heimat als Pflegerin in einem Heim für Alzheimer-Bewohner tätig und weiß auf die Bewohner einzugehen. Sie und Nele haben bei der Caritas in Wetzlar eigens einen Lehrgang besucht. Dabei musste Nele einen Wesenstest bestehen. Zum Kurs gehörte auch die Behandlung rechtlicher Fragen, die im Zusammenhang mit dem Verhalten der Tiere entstehen können. Als für die Königsberger Diakonie ein Betreuungshund gesucht wurde, hat sich die Altenpflegerin mit ihrem Vierbeiner gemeldet. Seit zweieinhalb Jahren erlebt sie immer dieselbe freudige Begrüßung durch die Bewohner. Bei jedem Besuch sind die beiden zunächst eine Stunde lang mit Kurt Hermann zusammen. Bei gutem Wetter begleiten sie den Senior mit seinem Rollstuhl hinaus in die freie Natur. Hermann war früher Hundeausbilder. Die Besuche von Nele bilden für ihn einen besonderen Höhepunkt in seinem Heimalltag.

Bärbel Diehl geht mit Nele regelmäßig über die Stationen und fragt „Darf ich Sie mit dem Hund besuchen?“ Kommt ihr ein Ja entgegen, nimmt sie sich für die Bewohner Zeit, geht auf sie ein und lässt sie in Kontakt kommen mit Nele.

Etwa 20 Alzheimer Bewohner sitzen bereits im Wohnzimmer des Hauses Berlin zusammen als Bärbel Diehl mit dem Berner Sennhund eintritt. Sofort suchen die ersten en Kontakt zu dem Tier, wollen über das Fell streicheln oder die Hundedame füttern. „Wir hatten einen Collie, der wurde 19 Jahre alt“, erzählt ein Bewohner. Eine Dame berichtet von ihrem Schäferhund, der Felix hieß. Eine Dame, die sich nicht mehr sprachlich artikulieren kann, wird in ihrem Sessel ganz unruhig. Erst als sie in den Stuhlkreis geleitet wird und auch Kontakt mit Nele aufnehmen kann, breitet sich eine große Zufriedenheit auf ihrem Gesicht aus.

Bärbel Diehl beginnt eine Spielrunde. Die Bewohner dürfen der Hündin einen Ball zuwerfen oder ein Spielzeug in Händen halten, das Nele dann abholt. Frau Diehl versteckt den Ball und den Beutel mit den Leckereien. Wie selbstverständlich bringt Nele das gesuchte Teil zur Freude der Senioren in den Stuhlkreis zurück. Zur Belohnung darf der Berner Sennhund immer wieder kleine Leckereien verspeisen und wird zum Schluss auch mit einer Schüssel Wasser belohnt. Zum Abschied singt Bärbel Diehl noch mit den Bewohner, für die ein Höhepunkt der Woche zu Ende geht. Immer wieder fragen die Senioren, ob Bärbel Diehl bald wieder mit ihrem Hund zu Besuch komme.





Kontakt: Königsberger Diakonie, Wetzlar, E-Mail: info@koenigsbergerdiakonie.de

Internet http://www.koenigsbergerdiakonie.de

18.06.2009