Mathias Glass ist Buschpilot bei christlicher Fluglinie MAF


Das Wetzlarer Ehepaar Mathias und Mandy Glass will im Sommer nach Südostasien ausreisen. Ehemann Mathias wird künftig in Papua-Neuguinea als Buschpilot arbeiten. Dazu hat sich der 37-Jährige über viele Jahre intensiv vorbereitet.

Von ihren Plänen berichten die beiden am Montag, 6. April, um 20 Uhr im CVJM-Haus Wetzlar (Frankfurter Straße 31) mit Bildern und Videos über ihren neuen Einsatzort und ihre Motivation für den ungewöhnlichen Dienst berichten.

Mathias Glass ist in Waldbronn im nördlichen Schwarzwald bei Karlsruhe aufgewachsen. Seine Eltern gehören zu einer Evangelisch-freikichlichen Gemeinde. Schon als Schüler ist Glass mit dem örtlichen Jugendkreis zu Missionstreffen in der Region gefahren. So hat sich über die Jahre der Wunsch entwickelt, im der christlichen Missionsarbeit zu arbeiten. Nach dem Abitur studierte er zunächst Informatik und anschließend Maschinenbau an der Technischen Universität Karlsruhe. Von 2001 bis 2006 arbeitete er als Berechnungsingenieur bei Airbus Deutschland in Bremen. In dieser Zeit hat er sich auf eigene Kosten zum Berufspiloten ausbilden lassen. Erste Flugstunden absolvierte er auf Freizeiten des Christlichen Piloten- und Modellfliegerverbandes (CPV). Insgesamt absolvierte Glass 500 Flugstunden, die ihn rund 50.000 Euro gekostet haben. Die Ausbildungen führten ihn unter anderem auch in die USA, um die nötigen internationalen Lizenzen zu erwerben.

Seit Januar 2007 ist Mathias Glass Missionspilot beim Missionsflugdienst „Mission Aviation Fellowship“ (MAF), der seinen deutschen Sitz in Edemissen im Landkreis Peine in Niedernachsen hat. Bis Mitte 2008 war er bereits in Papua Neuguinea im Einsatz und hat erste Erfahrungen gesammelt. Dazu gehörte auch ein dreiwöchiger Ausbildungskurs in Australien.

„Wir sehen uns von Gott in diesen Missionsflugdienst berufen und möchten mit unseren Gaben und Fähigkeiten den Menschen in Papua Neuguinea die Liebe Gottes vorleben“, begründet Glass seine Motivation für den Auslandseinsatz.

Tropisches Klima, Temperaturen um 25 – 30 Grad im Hochland sowie bis 35 Grad an der Küste hat er gut überstanden. Zunächst ist Mathias Glass vom Standort Mount Hagen mit einer zweimotorigen Twin Otter-Maschine als Copilot mitgeflogen, die 19 Sitzplätze hat. Der Missionsflugdienst wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch Ex-Militärpiloten aus den Ländern England, USA und Australien gegründet. Heute werden jährlich über 36.000 Hilfseinsätze von den ca. 130 MAF-Flugzeugen weltweit geflogen. Alle drei Minuten startet oder landet irgendwo auf der Welt ein MAF-Flugzeug, um Menschen in Not zu helfen, an Bord Ärzte, Krankenhauspersonal, Missionare und kirchliche Mitarbeiter, Entwicklungshelfer sowie Hilfsgüter aller Art. Besonders da, wo ein Transport über Land schwierig, gefährlich oder gar nicht möglich ist, bringt MAF Hilfspersonal und Hilfsgüter an die Orte, wo sie gebraucht werden. Die Halbinsel hat nur wenige Straßen mit insgesamt 700 Kilometern Länge. In Kiunga unterstützt MAF mit zwei Flugzeugen das Buschkrankenhaus, das für eine Region zuständig ist, die so groß ist wie Bayern und Baden-Württemberg.

Auf Papua ist MAF sein 60 Jahren aktiv und unterhält derzeit fünf Stationen mit 13 Flugzeugen und rund 50 Mitarbeitern. Dazu gehören weitere Deutsche: Holger Lasi seit 2006 und Martin Köhler seit 2008 als Pilot in Papua Neuguinea.

Dass der Beruf nicht ungefährlich ist, weiß Glass. Auf Papua Neuguinea muss mit Gewittern, aber auch mit Nebel am Boden gerechnet werden. Bis zu 4.500 Meter hohe Berge bilden eine Gefahr. Zudem gibt es keine Flugüberwachung im Landesinneren. Lediglich der Internationale Flughafen in der Hauptstadt Port Moresby verfügt über solche technische Ausrüstung. Während eines Fluges erlebte es der Pilot, dass ein Baby aufhörte zu atmen. In einem Notsinkflug müsste die Maschine auf geringerer Höhe gebracht und das Kind beatmet werden. Erleichtert ist Glass, dass das Kind diese Gefahr überstanden hat.

Im Jahr 2005 verunglückten zwei australische Kollegen, 37 und 40 Jahre, tödlich bei schlechtem Wetter im Anflug auf die Piste von Wobegan im unzugänglichen Bergland. Zehn Passagiere und eine Flugbegleiterin überlebten das Unglück damals leicht verletzt. 2006 ein 42-jähriger Schweizer Missionspilot in einer einmotorigen Cessna beim Anflug auf Tari im südlichen Hochland sein Leben.

Dennoch will das Ehepaar Glass die 30-stündige Reise auf die Pazifik-Insel nördlich von Australien wagen. Mandy Glass ist in Lengefeld bei Marienberg im Erzgebirge aufgewachsen. Die Lehrerin arbeitet seit 2006 an der Deutschen Fernschule in Wetzlar. Hier entwickelt sie Lehrmaterialien für Kinder in aller Welt, die per Fernunterricht beschult werden. Auslandserfahrungen hat die Pädagogin auch bereits gesammelt. 2001 war sie für zwölf Monate in Kenia auf einer Missionsstation und hat die Kinder von Missionaren unterrichtet. Ende 2007 ist Mandy Glass für sechs Wochen nach Papua geflogen und hat die Arbeit von Mathias kennengelernt. Bei diesem Besuch haben sich die beiden verlobt. Hochzeit wurde aber im September 2008 in der Heimat gefeiert.

Noch bis zum Ende des Schuljahres wird Mandy bei der Deutschen Fernschule arbeiten. An ihrem neuen Einsatzort hofft sie, Missionsfamilien unterstützen zu können, in dem sie den Schulkindern bei den Hausaufgaben behilflich ist.

In den ersten Wochen wird der Buschpilot erneut in Australien ausgebildet, um künftig einmotorige Maschinen alleine fliegen zu dürfen. Derzeit reist Mathias Glass viel durch Deutschland, um christliche Gemeinden über die Arbeit des Missionsflugdienstes MAF zu informieren.





Kontakt: MAF Deutschland

Internet http://www.maf-deutschland.de/index.php?id=1

22.03.2009