Wicherngemeinde Gießen zeigt „Original“-Adventskranz


Die evangelische Wicherngemeinde in Gießen weist während der Vorweihnachtszeit eine Besonderheit auf. Im Altarraum ist ein „Original“-Adventskranz aufgestellt, so wie ihn 1839 der Hamburger Theologe Johann Hinrich Wichern (1808 – 1881) erfunden hat. Wichern, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gedacht wird, hatte einige Zeit zuvor das „Rauhe Haus“ als Hort für elternlose Jungen eingerichtet. Und für diese Jungen hat er in der Absicht, in ihnen die Vorfreude auf Weihnachten zu wecken und zu stärken, in der Adventszeit einen hölzernen Kranz mit 23 Kerzen – 19 kleinen und 4 großen – aufgehängt. Jeden Wochentag wurde eine kleine rote, jeden Sonntag eine große weiße Kerze angezündet, berichtet der Gießener Küster Andreas Reuter. Um 1860 soll Wichern dann Tannengrün dazu genommen haben. Reuter suchte sich im Internet Bilder dieses Ur-Adventskranzes. Gemeinsam mit Kirchenvorstandsmitglied Margit Hecker hat er den Wichernkranz nachgebildet. Dazu steckten sie die Kerzen auf ein altes Wagenrad und verzierten es mit Tannengrün. Am ersten Advent präsentierten sie der Gemeinde zum Jahresfest der Wichernkirche ihr Werk. Immer zum ersten Advent gedenkt die Gemeinde des Baus ihrer Kirche, die im Nomember 1964 eingeweiht wurde.

Pfarrer Jürgen Pabst sagte, die Gemeinde denke dankbar an die Gründungszeit zurück. Damals sei eine schöne Gemeinschaft von Menschen entstanden, die vor allem aus dem Osten kamen und in Gießen eine neue Heimat fanden. Vor 44 Jahren entschieden die Gemeindemitglieder, ihre Kirche Wichern, dem Pionier der evangelischen Diakonie, zu widmen.

Bis zum Weihnachtsfest werden in der Wichernkirche selbst gebastelte Sachen verschiedener Gemeindekreise verkauft. Deren Erlös ist für das von Wichern eingerichtete „Rauhe Haus“ in Hamburg bestimmt.

Der Gottesdienst zum Jahresfest war von Pfarrer Peter Willared gestaltet worden. Gemeindeamtssekretärin Simone Hild überraschte mit einem Solo. Sie sang die erste Strophe des bekannten Liedes „Tochter Zion, freue dich“.

Am Nachmittag fand das Jahresfest mit einem Adventskaffeetrinken seine Fortsetzung. Dabei präsentierte die Kunstpädagogin Klaudia Weinreich geb. Czarski eine Meditation zu dem Bild „Geburt Christi“ des expressionistischen Malers Emil Nolde (1867 – 1956). Kantor Michael Klein spielte dazu kleine Orgelwerke. Auch eine Gruppe aus dem AWO-Seniorenheim am Philosophenwald und einer persischen evangelischen Gemeinde nahm an dem Jahresfest teil.

Auch an Heiligabend will die Gemeinde nochmals das Wichernjahr aufleben lassen. In der Christvesper am 24. Dezember um 22 Uhr gibt es eine Auslegung des Weihnachtsliedes „Stille Nacht“, dessen heutige Textfassung von Wichern stammt.

03.12.2008